Jahresversammlung vom 4. Mai 2018

 

Nicht nur sehr viel Geld, sondern auch viel Vertrauen – mehr als 23 Mio. Franken für die Berggemeinden

 

Rund 500 Besucher – Vertreter von Kantonsregierungen, Städten, Gemeinden, Stiftungen, Institutionen sowie private Gönnerinnen und Gönner – konnte der Präsident, alt Bundesrat Dr. Hans-Rudolf Merz, am 4. Mai 2018 in Zürich-Oerlikon begrüssen.

 

Einen erfreulichen Rückblick präsentierte alt Bundesrat Dr. Hans-Rudolf Merz. Es gelang der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden auch im Jahr 2017, dank der Zuwendungen von Gönnerinnen und Gönnern einen wesentlichen Beitrag zur Lösung der Aufgaben der Berg- und Juragemeinden zu leisten. Mit über 23 Millionen Franken liegt der Ertrag rund eine halbe Million über dem Ergebnis des Vorjahres. Der Präsident bedankte sich bei den Gönnerinnen und Gönnern für ihre Solidarität und Verbundenheit mit der Bergbevölkerung. Er wies auf die Bedeutung der Patenschaft für die Berggemeinden hin: «Die Gewissheit, substanzielle Finanzhilfe zu leisten, verleiht uns Schub, Motivation und Befriedigung. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden trägt dazu bei, den Pfeiler des Föderalismus unseres Landes stabil zu halten. Kommunale Aufgaben wären entweder nicht mehr lösbar oder sie müssten an die nächsthöheren Körperschaften delegiert und ausgelagert werden.»

 

 

Jahresrechnung und Neuwahlen

Geschäftsleiterin Barbla Graf präsentierte die Jahresrechnung. Der Ertrag beläuft sich auf über 23 Mio. Franken. Davon flossen rund 18.4 Mio. Franken in Projekte: Allgemeine Infrastruktur 7.1 Mio. Franken, Verbauungen und Elementarschäden 2 Mio. Franken, Schul- und Gesundheitswesen 4.9 Mio. Franken, Landwirtschaft 3.6 Mio. Franken, Forstwirtschaft 300'000 Franken, Kultur 470'000 Franken. Rund 350 Projekte wurden geprüft, gut 10'000 Stunden leisteten die Vorstandsmitglieder und Experten ehrenamtlich. Der Präsident und die 16 Vorstandsmitglieder wurden einstimmig und mit Applaus für weitere drei Jahre gewählt.

 

Dank und Rückmeldungen

Eine Reihe von Kantonsvertretern überbrachten ihren Dank und erstatteten Bericht über die Tätigkeiten in ihren Regionen. Roberto Schmidt, Staatsrat des Kantons Wallis, überbrachte herzliche Grüsse aus seiner Heimat. Er wies darauf hin, wie die Patenschaft erfolgreich mithilft, dass die Bergregionen erhalten bleiben. Aber auch die Bergbevölkerung muss sich kreativ zeigen, damit Familien in die Bergdörfer ziehen, respektive dort bleiben. «Nur Bildung, Ausbildung und Arbeitsplätze können die Bevölkerung in den Bergen halten», betonte er.

 

Martin Klöti, St.Galler Regierungsrat, erwähnte, dass der Einsatz für die Bergregion auch Rückschläge hinnehmen muss, wenn sich zum Beispiel die Bevölkerung nicht für ein Grossprojekt gewinnen lässt. Nichtsdestotrotz geht der Einsatz, auch mit unkonventionellen Ideen, weiter. Christoph Neuhaus, Regierungsrat des Kantons Bern, bedankte sich für den wichtigen Beitrag, den die Gönnerinnen und Gönner der Patenschaft zum Überleben der Berggemeinden leisten. Für den Kanton ist es wichtig, die Kräfte zu bündeln, um der Ressourcenschwäche entgegenzutreten. So kommt es immer wieder vor, dass die Finanzierung von Projekten in Berggemeinden nicht gesichert ist. Umso wichtiger ist die subsidiäre Unterstützung durch die Patenschaft.

Urban Camenzind, Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Uri, überbrachte den Dank von Volk und Ständen. Auch er betonte, wie wichtig die gemeinsamen Bemühungen sind, die Region zu beleben und zu bewirtschaften. Die Graubündner Regierungsrätin

Barbara Janom Steiner hob die positiven und auch negativen Aspekte der «Seilschaft» hervor – wichtig sei die Solidarität innerhalb der Bevölkerung, insbesondere für das Wohl der Berggemeinden. Urs Kiener, Gemeindepräsident von Hergiswil LU, berichtete aus seiner Region am Napf, wie viel Freiwilligenarbeit für das Wohl der Bevölkerung geleistet wird und welchen hohen Stellenwert die Sorge zur Natur hat. Er bedankte sich bei den Gönnerinnen und Gönnern für die finanzielle Unterstützung, die immer wieder eine grosse Motivation ist, die anstehenden Aufgaben zu erfüllen: «Ihr seid alle super!»

 

Cengalo, Cengalo!

Der Bergsturz am Piz Cengalo im letzten Sommer war Anlass für zwei Referate im Anschluss an den offiziellen Teil der Versammlung. Der Bergsteiger und Schriftsteller Emil Zopfi las einen Text, den er zu seiner Besteigung des Cengalo-Pfeilers verfasst hatte. Darin verknüpft er auf eindrückliche Weise die Herausforderung der schwierigen Route für Kletterer mit Reflexionen zur Faszination und zu den Gefahren der Bergwelt.

 

Bondo – der Bergsturz und die Folgen

Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin von Bregaglia, berichtete über die Folgen, die der Bergsturz am Piz Cengalo für das Dorf Bondo und die Gemeinde Bregaglia hatte. Nach der Schilderung der dramatischen Ereignisse am 23. August 2017 mit acht Todesopfern zeigte sie auf, welche Massnahmen eingeleitet wurden, damit die Bevölkerung in Sicherheit war, laufend informiert wurde und möglichst bald wieder ins Dorf zurückkehren konnte. Um das Weiterleben im Dorf zu ermöglichen, musste dringend die Gemeindeinfrastruktur instand gestellt werden: die Wasserversorgung, die Abwasserentsorgung, das Stromnetz, Strassen und öffentliche Gebäude. Auch die Aufräumarbeiten und das Entleeren des Auffangbeckens hatten höchste Priorität. Für die ersten Arbeiten konnte die Patenschaft aus dem Bondo-Fonds bereits einen Beitrag von 600'000 Franken leisten. Anna Giacometti wies darauf hin, dass eine Spendenkommission über die korrekte Vergabe der Spendengelder wacht. Sie betonte auch den intensiven Austausch mit der Patenschaft: «Die Patenschaft will sehr genau wissen, was wir vorhaben und wie die Gelder eingesetzt werden. Mich freut das, denn die Spender haben der Patenschaft nicht nur sehr viel Geld, sondern auch viel Vertrauen geschenkt.»

 

Walliser Köstlichkeiten, ins Herz gemeisselt

Die musikalische Umrahmung kam aus dem Kanton Wallis: Sarah Brunner am Klavier und Didier Furrer an der Geige. Sie erfreuten die Gäste mit einer temperamentvollen und stimmigen Darbietung. Das anschliessende feine Apéro-Buffet, offeriert vom Kanton Wallis, zeigte die Vielfalt der landwirtschaftlichen Produkte. Fleisch, Früchte, Käse, Wasser, Bier, Wein und natürlich das legendäre Roggenbrot schmeckten den zahlreichen Gästen ausgezeichnet.